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Mythos Neonazi |
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Presseartikel |
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Moosburg (ke) – „Der Feind steht rechts“ war die bekannte Warnung in der Weimarer Republik, die spätestens seit der Wahl in Sachsen neue Aktualität gewonnen hat. Ultrarechte werden plötzlich, scheint es, wieder salonfähig. Wer aber den Feind bekämpfen will, der muss ihn kennen, vorzugsweise von innen, muss seine Strukturen durchschauen und seine Denkweise – sofern überhaupt gedacht wird – nachvollziehen können. NPD, DVU, FAP, ANS-NA und Konsorten – der heutige Vorsitzende der FDP in Moosburg Stefan Jahnel kennt sie alle, denn er könnte mit Rep-Gründer Franz Schönhuber sagen: „Ich war dabei!“ Jetzt hat Jahnel nämlich ein Buch veröffentlicht, in der er seine eigenen Erfahrungen in der ultrarechten Szene teilweise aufarbeitet, teilweise aber einfach nur schildert. Gerade diese Schilderungen haben es in sich: Da wird sich geprügelt, da wird auch schon mal eine Wirtshauseinrichtung auseinandergenommen. Da werden Gasrevolver gezogen und aus Spaß an der Freude Raketenwerfer gebastelt. Und einer der Chefs dieser Leute ist auch noch Moosburger. Da wird die Handgranatenkiste vor der Haustür des NPD-Bosses am Mühlbachbogen plötzlich verständlich. Jahnel wundert dieser besondere Blumenpflanztrog nicht, bescheinigt er doch gerade der NPD eine zunehmende Militanz. Die Sprache in dem Buch ist teilweise auffallend flapsig, und das mit Absicht. „Ich wollte rüber bringen, wie da so gedacht und geredet wird. Das kann man nicht hochintellektuell tun.“ In der Tat. Hier bestätigt einer, der dabei war, was viele schon vermuten: Die allermeisten dieser Leute sind geradezu erbärmlich dumm. Davon abgesetzt sind seine Analysen seines Tuns aus heutiger Sicht. Sie erscheinen auch in einem anderen Schriftbild. Das Buch durchzieht ein Motiv: Man kämpft als Ultrarechter für Meinungsfreiheit, natürlich nur für die eigene Meinung, und das war es auch, was ihn zunehmend störte. Rosa Luxemburgs Worte, dass die Meinungsfreiheit immer die Meinung des Andersdenkenden sei, wird in diesen Kreisen nicht gern gehört. Jahnel verwendet es trotzdem – und bekam prompt Ärger. Ständig hing man zusammen, war füreinander da, Kontakte zu Leuten außerhalb der Szene wurden mit Misstrauen beäugt. Das ist das Kennzeichen aller totalitärem Parteien und Organisationen, und das macht den Ausstieg schwer. „Einige sehen mich al Verräter“, bekennt Jahnel denn auch freimütig. Dass die Polizei ihm den Ausstieg nicht ganz geglaubt hat und verschiedene Male bei ihm aufgetaucht sei habe die Sache nicht gerade erleichtert. „Erklär das mal deinem Chef, dass du gerade wieder eine Hausdurchsuchung hast!“ Das Buch enthält denn auch Tipps für Eltern von Aussteigern aus der Szene. Der Weg in die FDP sei eigentlich gradlinig gewesen, meint Jahnel: „Die FDP ist auch für mich heute noch die Partei der Bürgerrechte.“ Es ist nicht das einzige Buch von Aussteigern aus der ultrarechten Szene. Überflüssig ist es deswegen mit Sicherheit nicht.
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