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Mythos Neonazi |
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Presseartikel |
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Moosburg Er ist Ortsvorsitzender des FDP-Ortsverbandes Moosburg-Hallertau und arbeitet als freier Journalist für eine Freisinger Tageszeitung. Erst kürzlich setzte er sich zusammen mit seiner thailändischen Ehefrau für ein Hilfsprojekt für Tsunami-Opfer ein. Die Rede ist von Stefan Jahnel, der im vergangenen Jahr sein Buch „Mythos Neonazi“ veröffentlicht hat, das im Untertitel die „Abrechnung eines Aussteigers“ ankündigt. MZ-Mitarbeiter Reinhard Knieper hat sich für die darin geschilderten „Auswege aus dem Rechtsradikalismus“ interessiert. Vor seinem Ausstieg war Stefan Jahnel mehr als zehn Jahre lang in der rechten Szene tätig, unter anderem in der Führungsebene verschiedener Neo-Nazi-Organisationen. Er war Geschäftsführer des Landesverbandes Bayern der Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei (FAP) und Bundesschatzmeister der nationalen Offensive sowie Mitglied des Komitees Adolf Hitler (KAH). Alle Organisationen sind mittlerweile verboten worden. Seine Erfahrungen aus dieser Zeit hat Stefan Jahnel unter dem Titel „Mythos Neonazi“ in einem Buch zusammengefasst. Man kann darüber streiten, ob dem Allerweltstitel nicht eine gewisse Verniedlichung innewohnt, bleibt doch der Begriff „Mythos“ ohne die Unterzeile „Abrechnung eines Aussteigers“ gar zu ambivalent an der Oberfläche des Grauens, das hinter dem Wort „Neonazi“ steckt. Doch wäre es falsch, das Buch wegen seines Titels rechts liegen zu lassen. Denn schon im Inhaltsverzeichnis trifft man auf Kapitel, die unter Überschriften wie „Schule oder die Lust an der Opposition“, „Ausländerhass und Ausländerliebe“, „Bundeswehr und Knasterfahrung“, „Erneute Gerichtsverhandlung“, „Die letzten beiden Prozesse“ oder „Zweifel am Weltbild“ die autobiographischen Irrungen und Wirrungen eines heranwachsenden widerspiegeln, der, aus gut bürgerlichen Kreisen stammend, vom Tegernsee („Lago di Bonzo“) aus erst zum Raufbold, später dann zum Bombenbastler wird, bevor er auf die schiefe politische Bahn gerät. Stefan Jahnel versucht, am Beispiel seiner eigenen Erfahrung die Wirkungsmechanismen der rechten Szene aufzuzeigen. Er geht dabei weit über das „Ich war jung, dumm und hatte schlechte Freunde“ hinaus. Vielmehr versucht er, Außenstehenden zu erläutern, warum sich junge Menschen einem totalitären Weltbild verschreiben. Noch wichtiger: Er beschreibt Auswege aus diesen mentalen Fällen und zeigt Argumentationsansätze auf, mit denen es möglich ist, rechtsextreme oder vom Rechtsextremismus gefährdete Jugendliche von ihren Irrtümern zu überzeugen. Der Gefahr, dem Leser Erklärungen zum Zweck der eigenen Rechtfertigung unterzuschieben, entgeht Jahnel durch ein gerütteltes Maß an Selbstkritik. Vielmehr stellt er fest, dass es eine einfache Ursache, die man einfach beseitigen kann, nicht gibt. Dafür seien die Motive, aus denen Menschen der rechten Szene zuneigten, viel zu unterschiedlich. Das Abdriften in rechtsradikale Kreise als eine Art Schicksalsschlag zu betrachten, für den weder der Betroffene noch die Gesellschaft etwas können, lässt Jahnel ebenfalls nicht gelten. Mit dieser Erklärung erspare sich die Gesellschaft lediglich das Nachdenken über die wahren Ursachen. Jahnel weiß, dass er mit seinem Buch „einigen auf die Füße treten wird.“ Und schreibt dazu im Vorwort: „Man muss mit einigen Tabus brechen, um zu verstehen, was wirklich im rechten Lager abläuft. So lange ich in der Szene war, war alles eher witzig und lustig. Aber wenn ich mir heute überlege, was ich so alles getan und gedacht habe, dann war das schrecklich.“ Grund genug für den Autor, aufzuzeigen, wie die rechte Szene wirklich funktioniert. Denn nur so sei auch eine sinnvolle Aufklärung und Vorbeugung möglich, wie sie beispielsweise vom Weiße Rose Jugendbündnis www.weisse-rose.info betrieben wird. Und nur so sei es möglich, aktiv gegen Rechts vorzugehen. Ein besonderes Anliegen ist für Jahnel das Thema „Ausstieg“ selbst. Dem Argument Leute würden gezwungen, mitzumachen oder dabeizubleiben, sei selten Glauben zu schenken. Viel häufiger kommt es vor, dass Aussteiger Schwierigkeiten hätten, in der demokratischen Gesellschaft Fuß zu fassen. Auch sein eigener Ablöseprozess habe sich über Jahre hingezogen, vor allem, was seine innere Distanzierung betreffe, so Jahnel, der mit seinem Buch dazu beitragen möchte, „Neonazis den Weg zurück in eine demokratische Gesellschaft zu erleichtern.“ Seit seinem Ausstieg ist Stefan Jahnel als Journalist tätig, war unter anderem redaktionell verantwortlich für ein Jugendmagazin und berichtete zudem aus Bosnien und dem Kosovo. Immer wieder befasste er sich mit dem Thema Rechtsradikalismus und gilt inzwischen als Spezialist auf diesem Gebiet. –rk-
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