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Mythos Neonazi |
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Presseartikel |
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Tegernsee – Das Thema Rechtsextremismus ist durch den aktuellen Münchner Neomazi-Prozess wieder ins Bewusstsein der Bürger gerückt. Einer, der lange Zeit im rechten Lager mitgemischt hat und schließlich den Ausstieg schaffte, ist Stefan Jahnel. In seinem jüngst erschienen Buch „Mythos Neonazi“ befasst er sich mit dem Thema Rechtsextremismus und den Wirkmechanismen der rechten Szene, vor allem aber mit dem Ausstieg. Der Autor hat am Tegernsee gelebt. Jahnel war über zehn Jahre in der rechten Szene in Führungspositionen tätig. Er war Geschäftsführer des Landesverbandes Bayern der FAP und Bundesschatzmeister der Nationalen Offensive sowie Mitglied des Komitees Adolf Hitler. Alle diese Organisationen wurden mittlerweile verboten. Der Autor wurde 1969 in München geboren und kam mit seinen Eltern nach der Grundschule nach Tegernsee. Hier besucht er mit einer zweijährigen Unterbrechung das Gymnasium, das er nach der elften Klasse verließ. Seit seinem Ausstieg ist er in Freising als Journalist tätig, war verantwortlich für ein Jugendmagazin, berichtete aus dem Kosovo und Bosnien und gilt als Spezialist für das Thema Rechtsextremismus. Die Jugendzeit am Tegernsee beschreibt Jahnel in seinem Buch als die Anfänge seiner rechten Karriere. Unter anderem in den Kapitel „Lago di Bonzo – Und die Bombenbauer“ geht er in zahlreichen Passagen auf die Gymnasiumszeit ein und schildert, wie er mit der rechten Szene in Berührung gekommen ist. „Das Tegernseer Tal ist eine wunderschöne Gegend südlich von München. Im Volksmund wird die Gegend auch ,Lago di Bonzo’ genannt“, schreibt er. Wenn anfangs auch eher unpolitisch, „haben sich die wesentlichen Geschichten dort abgespielt“. Und weiter: „Aus einer Gruppe von Klassenkameraden sowie einigen weiteren Mitschülern entwickelte sich so eine Art Vorläufer-Kameradschaft.“ In mehreren Passagen schildert er die ersten spielerischen Erfahrungen beim Bau von Molotowcocktails und Rauchbomben: „Einmal haben wir die Unterführung zwischen Schule und Turnhalle total eingeräuchert. Und die Rauchbombe funktionierte so gut, dass sogar oberirdisch eine gigantische Rauchentwicklung festzustellen war.“ Jahnel, der später in München zu einer Führungsperson der rechten Szene aufstieg, berichtet auch von Auseinandersetzungen mit eher linken Gruppierungen. Sein Fazit: „In Tegernsee lag das gesamte Gewaltlevel jedoch ohnehin auf einem sehr niedrigem Niveau. Meistens blieb es bei Drohgebärden, und hin und wieder kam es zu einer Schlägerei.“ Aber auch Parolen-Schmierereien gehörten in den jungen Jahren zu den ersten rechtsradikalen Aktionen Jahnels und seiner Freunde, die sich „Nationale Aktivisten Tegernseer Tal“ nannten: „In der Folgezeit machten wir im Tegernseer Tal vor allem mit Sprühparolen auf uns aufmerksam.“ Eine der „gelungensten“ Aktionen sei die beim Tod von Rudolf Hess gewesen. In allen Tal-Gemeinden tauchte „Rache für Hess“ auf. Das sei gar nicht so einfach gewesen, „denn in Bad Wiessee hatten wir zu dieser Zeit eigentlich niemanden. Also bin ich mit dem Rad dorthin gefahren.“
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