| Vom Drei Pagoden Pass zu den Isar Auenwälder |
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| Interview mit einer Thailänderin | |||
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Ein ganzes Dorf in Thailand war am 2. Dezember auf den Beinen, um die Hochzeit von Fon Kanjana Jahnel Kan und ihrem Mann Stefan zu feiern. Auch Eheschließungen mit Ausländern sind in Thailand nichts seltenes. Dass aber ein Deutscher seine Frau nach buddhistischer Zeremonie in deren Heimatort ehelicht, ist außergewöhnlich. In dem Karen-Dorf Putong, irgendwo auf dem Weg von Kanchanaburi Richtung drei Pagoden-Pass war es das erstemal. Jetzt
ist die 23-jährige junge Frau seit fast einem Jahr in Deutschland. Neue Sitten und Gebräuche, neue Probleme? Redakteurin Andrea Schillinger-Fuchs fragte nach. |
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Die Leute auf der Straße drehen sich nach Ihnen um und tuscheln: "Die ist doch bestimmt aus dem Katalog". Wie kommen Sie mit solchen Vorurteilen zurecht? . |
Fon: Es ist schwer, mit den ständigen Blicken zu leben. Viele denken, eine Frau aus Thailand: Die hat doch bestimmt früher in einer Bar oder als Masseuse gearbeitet. Ich habe meinen Mann aus Liebe und nicht des Geldes wegen geheiratet. Ich finde es nicht fair, dass man hier ständig auf mich herabschaut. |
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| Wie sieht es in Thailand wirklich mit diesem Image aus? | Fon: Die Frauen machen solche Jobs nicht, weil damit viel Geld zu verdienen ist. Sie machen es, um ihre Familie zu unterstützen. Es gibt keine Arbeitslosenhilfe, kein Kindergeld, keine Sozialhilfe. Auch keine Rente. Und deshalb müssen die Kinder für ihre Eltern sorgen, wenn die alt sind. Auch wenn man in der Schule einen einigermaßen guten Abschluss gemacht hat, ist es unvorstellbar schwer, einen normalen Job zu finden. Einen Job, bei dem man genug verdient, um den Eltern auch noch etwas Geld schicken zu können | ||
| Was haben Sie beruflich gemacht, bevor Sie nach Deutschland gekommen sind? | Fon: Ich habe gelernt, Stoffe zuzuschneiden. Die letzten Jahre in Thailand habe ich in Bangkok als Telefonistin gearbeitet | ||
| Haben Sie jetzt eine berufliche Perspektive? | Fon: Erst will ich natürlich richtig deutsch lernen. Danach werde ich mir auf jeden Fall einen Job suchen. Finanziell abhängig zu sein, bin ich nicht gewöhnt. Und ich möchte nicht immer meinem Mann auf der Tasche liegen. Außerdem muss ich Geld verdienen, um meinen Eltern einige Träume erfüllen zu können. Sie leben auf einer kleinen Farm etwas ausserhalb von Putong. Da gibt es noch nicht mal Strom. Das möchte ich gerne ändern. Was genau ich arbeiten will, weiß ich noch nicht. | ||
| Thailand im Vergleich zu Deutschland. Was ist anders, was ist besser?
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Fon: Wir schauen auf niemanden herab, der andere Wertvorstellungen hat. Thailändische Mädchen sind beispielsweise viel schüchterner und zurückhaltender. Es wäre unvorstellbar, mit 14 schon den ersten Freund zu haben, oder sich auf der Straße zu küssen. Wenn ein Schüler in meiner Heimat mit einer Zigarette gesehen wird und es der Lehrer erfährt, fliegt er von der Schule. Alkohol trinken oder nächtelang in Discos rumhängen ist auch tabu. Ich sage nicht, dass alle Sitten in Thailand besser sind. Es wird relativ schnell geheiratet, und man kann oft nicht so richtig prüfen, ob man zusammenpasst. In Deutschland hat man mehr von dem, was man Freiheit oder Privatleben nennt. In Thailand ist mehr die Familie und nicht so sehr das Individuum das Bezugssystem. Deutsche und Thailänder haben eine unterschiedliche Form der Lebensgestaltung. Aber niemand sollte deshalb auf den anderen herabschauen. | ||
| Was ist sonst noch anders in Ihrer Heimat? | Fon: Wenn du in Deutschland geboren bist, hast du von Anfang an alles: Niemand muss sich ernsthafte Sorgen um die nächste Mahlzeit machen. Wir hatten zwar auch immer zu Essen, weil wir Land und eine eigene Farm haben. Aber es gibt auch richtig arme Familien in Thailand. Hinzu kommen noch viele Leute, die aus Birma geflohen sind. Mittlerweile geht jedes Kind mehrere Jahre zur Schule und lernt auch fremde Sprachen. Das war nicht immer so: Einige ältere Leute können nicht einmal lesen und schreiben. Richtig gute Bildung, wie ein Computerkurs kostet viel Geld. Der Staat zahlt dafür keinen Pfennig. | ![]() |
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| Thailändische Sitten und Gebräuche: Muss der Mann wirklich Geld an die Familie der Frau zahlen, die er heiraten möchte? | Fon: Das ist richtig. Es ist einfach Brauch. Das Geld, das man zahlt, hängt auch von den wirtschaftlichen Gegebenheiten ab. Früher war es so, dass man mit der Tochter in guten Jahren eine wertvolle Arbeitskraft verlor. War gerade eine Hungersnot, sah das anders aus. Das Geld, das der Mann zahlt, hängt auch von der Liebe zur Frau ab. Wenn die Eltern merken, der Mann hat kein Geld, liebt aber ihre Tochter, würden sie ganz auf diesen Brauch verzichten. Das Geld hat aber auch eine symbolische Bedeutung: Es zeugt von dem Respekt des Bräutigams gegenüber der Familie der Braut. | ||
| Als Ihr Entschluss, einen Deutschen zu heiraten, stand, wie haben Ihre Eltern darauf reagiert? | Fon: Es war sehr schwer, es meiner Familie zu sagen. Sie hatten so viele Fragen. Mein Vater hatte große Angst um mich. Angst, mein Mann könnte mir weh tun. Aber als sie ihn dann kannten, war die Angst verschwunden. Dass ich jetzt in Deutschland bin, ist eigentlich weniger ein Problem. Ich hab vor der Hochzeit in Bangkok gelebt, also auch nicht bei meinen Eltern. Wenn ich mit ihnen sprechen wollte, musste ich im Dorf anrufen, und die haben meinen Vater dann eine halbe Stunde später an das Telefon geholt. Aber ich konnte sie jederzeit besuchen, ich vermisse sie sehr. Am liebsten würde ich sie alle nach Deutschland holen, damit ich mich um sie kümmern kann. Die Familie steht bei mir an erster Stelle. Wenn meine Eltern mir verboten hätten, Stefan zu heiraten, hätte ich ihn auch nicht geheiratet. | ![]() |
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| Was vermissen Sie - außer ihrer Familie - am meisten? | Fon: Das Essen. Das deutsche Essen ist mir meist etwas zu fett. Aber ich liebe Leberkässemmeln. Ab und zu versuche ich, deutsch zu kochen. Aber selbst dann schmeckt es doch eher thailändisch. Außer Fleischpflanzerl und Fischstäbchen. Dann gibt es aber eine thailändische Soße dazu. Außerdem vermisse ich natürlich all meine Freunde in Bangkok | ||
| Ihr Mann ist den ganzen Tag in der Arbeit, sie sind allein und beherrschen die Sprache nicht. Wie sieht ihr Alltag aus? | Fon: Ich mache den Haushalt wenn Stefan nicht da ist. Wenn alles erledigt ist, lerne ich deutsch. Vor kurzem hab ich einen mehrwöchigen Intensivsprachkurs gemacht und jetzt versuche ich, das Ganze durch Bücher und Kassetten zu vertiefen. Ich habe auch viele thailändische Freunde hier in Deutschland. Doch die meisten arbeiten und haben tagsüber nicht oft Zeit. Manchmal fühle ich mich sehr einsam | ||
| Was war das bisher schlimmste Erlebnis in Deutschland? | Fon: Ich erlebe es eigentlich fast jeden Tag: Die Leute denken, ich kann sie nicht verstehen und sprechen über mich. Einer hat sogar gesagt: "Schau mal, ist die hässlich". Das tut sehr weh. Thailand hat auch eine Kultur. Wir haben Religion, Philosophie, Architektur, Musik, viele schöne Dinge. Die Karen, die Mon und die Shan haben sogar eine eigene Sprache, eigene Bräuche. Viele Chinesen und Laoten leben bei uns. Buddhisten, Muslime, Christen. Das ist alles sehr, sehr vielfältig. Es sollte nicht der eine auf den anderen herabschauen. | ||