Shakespeare - 

Der große Verschwender

 

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William Shakespeare gilt als einer der größten Schriftsteller aller Zeiten. Aber eigentlich müsste er als einer der größten Verschwender aller Zeiten gelten. Man nehme das Drama „Romeo und Julia“. Da wird eine total komplizierte Handlung komprimiert auf einen einzigen Theaterabend. In der Tat hätte man damit ein ganzes Fernsehjahr ausdehnen können.

Das geeignete Format für Romeo und Julia wäre die Daily-Soap. Irrtümlicherweise wird ja angenommen, dass Romeo und Julia in Italien spielt. Das ist falsch. Der Ursprüngliche Handlungsort ist Spanien. Und es gibt auch keinen Shakespear. Das ist lediglich eine Verballhornung des Scheichs Spieers. Der hat unter der heißen Sonne des mauretanischen Spaniens die Geschichte ersonnen. Es braucht einfach eines gewissen Quantums an Hitze und Sand um die gigantische Emotionalität dieses Dramas entfalten zu können. Romeao war Maure.

Populäre Irrtümer sind allerdings nur schwer zu korrigieren. Optimaler Titel der Serie wäre damit vielleicht „Verliebt in Turin“. Das wirklich interessante ist aber nicht nur tagtäglich 45 Minuten Fernsehprogramm voll zu packen, sondern die möglichen Spinn-Offs, die sich ergeben.

Man kann quasi die ganzen Gerichtsreihen beliefern. Barbara Salesch nimmt sich Romeo wegen Hausfriedensbruch zur Brust. Richter Alexander Hold verurteilt die Capulettis wegen Bildung bewaffneter banden. Die Magazine Explosiv, Exklusiv und Exzesiv berichten dann aus dem Knast. Twilight Zone und Outerlimit weißen nach, dass böse Dämonen, die Leute zur Tat veranlassten. Gallileo berichtet über die Manufaktur von Degen und Welt der Wunder stellt das Nähen historischer Kostüme vor.   Jetzt wäre es auf den ersten Blick äußerst Reizvoll Romeo auch wegen Verführung einer minderjährigen vor Gericht zu stellen. Allerdings vergibt man sich da viele weitere Möglichkeiten. Besser ist e Julia beichtet ihr Alter erst im „Das Geständnis-Heut sag ich alles“. Bravo-TV gibt anschließend Schminktipps: Wie schaffte es Julia alt genug auszusehen? „Zwei bei Kallwas“ ermitteln aber in einem psychologischen Gespräch dass die Mutter mit einem übertriebenen Beschützerinstinkt schuld an der Entwicklung ist.

Was natürlich unbedingt geändert werden muss, ist das Ende. Es ist unheimlich schwierig eine Fortsetzung zu schreiben, wenn der Hauptdarsteller tot ist. Also wird die Welt erst mal um sieben Tage zurückgedreht, dann macht die Enterprise einen Zeitsprung, tauscht durch Beamen das Gift aus. Niedrig und Kuhnert ermitteln den Apotheker. Und Julia landet vor Gericht. Und zwar wegen: „Vortäuschen einer Straftat.“ Darauf kommt sie in einem Extra Special „Hinter Gitter“. Fernsehpfarre Fliege beleuchtet die moralischen Beleuchtungen. Dann kriegt Julia aber die letzte Chance, darf zum Grand Prix fahren. Und endlich gewinnt Deutschland. Denn peep-peep-peep jeder hat die Julia lieb. Ausser Romeo der zwischenzeitlich einer Desperate Housewifve  zum Opfer gefallen und jetzt völlig LOST ist.

 


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