Abenteuer in Nord-Ost
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Reiseberichte

 

Litauen 1995 

Litauen, ein Land hoch im Norden und weit im Osten. Nehrung und Haff. Ostseestrände und kleine Seen im hügeligen Hinterland. Unterschiedlichste Landschaftsformen kennzeichnen die baltische Republik. Als Reiseziel ist Litauen noch ein Geheimtipp.

Ein Abenteuer ist die Reise in das Land, das bis vor kurzem noch hinter dem eisernen Vorhang lag, aber allemal. Wer mit dem Zug anreist, kann zwar unglaublich günstige Fahrkarten nutzen (Fahrkarten möglichst in Polen, Tschechische Republik etc. kaufen). Allerdings auch hier hat das Leben seine Tücken. Wer in Warschau eine Fahrkarte nach Vilnius löst, sitzt schnell im Zug über das weißrussische Grodno, und dort wollen die Grenzbeamte natürlich ein Visa sehen. Im günstigsten Fall, kann man schnell eines an der Grenze kaufen, einige Reisende durften hier aber schon einen etwas längeren Zwischenstopp einlegen. Polen und Litauer betrachten zwar die Zugverbindung als Transit-Strecke. Die Weißrussen vertreten da aber anscheinend etwas andere Ansichten.

Wer sich das Visa ersparen und Ärger aus dem Weg gehen will, nimmt am besten den Zug über Shestokai.

Auch Autofahrer sind nicht ganz vor Überraschungen gefeit. Einige Städtchen verlangen eine Art Wegezoll. In Palange muss jedes Fahrzeug, das in die Innenstadt fährt, einer Abgasuntersuchung unterzogen werden. Klaipeda und Trakai verlangen einfach so eine Straßenbenutzungsgebühr. Wer also zahllose Autos an einem „Durchfahrts-Verboten“-Schild vorbeidonnern sieht, sollte diesen also nicht unbedingt folgen. Strafen und Gebühren fallen aber hier relativ gering aus.

Auch bei den sonstigen Kosten ist Litauen eines der günstigsten Urlaubsländer Europas. Auf ansprechenden Komfort bei Hotelzimmer und Essen muss aber keineswegs verzichtet werden. Lediglich bei Discos ist ein leichtes Defizit festzustellen. Dafür lohnt sich auf jeden Fall das Flanieren auf den Straßen der Innenstädte. An jeder Ecke werden qualitativ hochwertige Bilder und sonstiges Kunsthandwerk angeboten. Wer ein paar Lit drauflegt, kann anstelle der Kunst-Fließband –Produktion auch echte „Originale“ erstehen. Eine besondere Domäne ist die Verarbeitung von Bernstein zu Schmuckgegenständen.

Auf jeden Fall lohnt sich ein Besuch in Vilnius. Zu den beeindruckendsten Gebäuden zählt die klassizistische Kathedrale und der freistehende Glockenturm. Die Altstadt wird von zahlreichen Kirchen in den unterschiedlichsten Baustilen geprägt. Fast alle historischen Epochen spiegeln sich wieder. Auf den ersten Blick dominieren die barocken Kirchen, aber auch Gotik, Rennaisance, Historismus und J ugendstil haben deutliche Spuren hinterlassen.

Freunde alter Ritterburgen kommen in Trakai voll auf ihre Kosten. Die Inselburg im Galve-See gelegen spielte eine zentrale Rolle beim Kampf gegen den Deutschen Ritterorden. In der Burg selbst ist ein reichhaltiges Museum eingerichtet. Das Gesicht der Stadt prägt die nationale Minderheit der Karaimen.

Die kurische Nehrung, ein fast 100 Kilometer langer, 0.5 bis 4 Kilometer schmaler Sandwall, umspült von der Ostsee und dem kurischen Haff ist ein einmaliges Naturschauspiel in Europa. Auf der Ostsee-Seite hat sich eine wilde Dünenlandschaft gebildet, die vor der rauen Ostsee schützt. Nicht immer waren die Dünen dem Menschen aber ein Freund. Vom 16, bis zum 19. Jahrhundert hat der Sand insgesamt 14 Dörfer unter sich begraben. Ein wildreicher Wald prägt auf der Seite des Haffes die Landschaft und bildet so mit der weißen Sandlandschaft einen interessanten Kontrast.

Klaipeda (Memel) ist Litauens Fenster zum Meer. Der einzige Seehafen Litauens war stets ein Zankapfel zwischen den verschiedensten Völker; Livländischer Ritterorden, Zemaiten, Polen, Russen, Schweden kämpften um den Hafen und spiegeln sich heute die unterschiedlichsten Einflüsse im Stastbild wieder. So steht auch das „Ännchen von Tharau“ wieder an seinem alten Ort dem Theaterplatz.

Badespaß pur ist im Ostsee-Kurort „Palange“ angesagt. Wer nicht gerade zur absoluten Hauptsaison kommt, und auch mal ein paar Meter Fußmarsch in Kauf nimmt, findet hier die schönsten, nicht überfüllten Sandstrände Kiosks, Cafes, Eisverkäufer u.s.w. sorgen auf dem Strand-Hauptabschnitt für Unterhaltung aller Art.

Lohnend ist in jedem Fall auch eine Fahrt über Land. In den Dörfchen abseits der Hauptstraße sind die Häuser von einer anmutigen Einfachheit. Das Wasser wird aus dem Ziehbrunnen gepumpt, und die Zeit scheint stehen geblieben zu sein.

  

 

 

 

 

 

 

 


Die klassizistische Kathedrale von Vilnius erhielt ihr jetziges Aussehen durch den Architekten Stuoka Guceviecius. Teile des Turms stammen noch aus dem 13. Jahrhundert.


Auf dem Land ist das Leben noch wie vor 100 Jahren


Die Burg von Trakai.


Industrieromantik am Meer.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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