| Eine Reise nach Moskau | |||||
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Otto Wiesheu begleitet Strauß ins "russische Exil" In Moskau
FJS-Büste enthüllt und Bayern Ausstellung eröffnet Freising/Moskau – Zu Zeiten, als Franz Josef Strauß noch Ministerpräsident von Bayern war, galt er als lebende Legende. Was damals keiner ahnte: Jetzt wurde sein Kopf auch in der Stadtbezirksverwaltung in Moskau dringend erwartet. Was aber von vorne herein klar war: Die Tegernseer Gebirgsschützen würden „ihren“ Landesvater überall hin begleiten, auch ins russische Exil. So standen sie jetzt Spalier, als im vierten Stock des Moskauer Verwaltungstraktes das bronzene Konterfei enthüllt wurde. Organisiert hat die Reise die Internationale Cooperation für Wirtschaft und Kultur in Denkendorf unter Vorsitz von Dr. Christian Holtz. Der Freundschaftsgesellschaft gelang es auch als Zugpferd Wirtschaftsminister Dr. Otto Wiesheu anzuheuern. Den Wirtschaftsminister und eine 80köpfige Delegation, unter anderem auch mit dem Babynahrungshersteller Claus Hipp aus Pfaffenhofen, Vertretern der Firmen Ehrmann, BMW und Knauf, lockten vor allem wirtschaftliche Fragen nach Moskau. Die Drohende allgemeine Krise auf den Finanzmärkten und besonders die instabilen Verhältnisse in Russland überschatteten natürlich das Ereignis. Dennoch, so betonte Dr. Otto Wiesheu, sei ein Engagement in der ehemaligen Sowjetunion eine große Chance für viele Unternehmen. Ressourcen, Energie und Arbeitskräfte wären reichlich vorhanden, und wenn die Kaufkraft erst einmal ansteige, würde dies sogar einen positiven Impuls für die ganze Weltwirtschaft bedeuten. Groß seien dennoch auch die Gefahren, wenn jetzt kurzfristig das sich entwickelnde „Band der Wirtschaft“ gekappt würde. Viele Investoren wären dann für mehrere Jahre abgeschreckt. Die Russen zu belehren, wie sie ihre wirtschaftliche Krise meistern könnten, wäre, aber, so Wiesheu, mit Sicherheit der falsche Weg. Seine Aufgabe liege eher darin, für die bayrischen Unternehmen gangbare Wege zu finden, wie sie ihr Engagement in der Moskauer Region fortsetzen können. Von den 1200 Firmen, die hier tätig sind, stammen 600 aus Bayern. Mit Eröffnung der stark wirtschaftlich geprägten Ausstellung: „Bayern – Land und Leute“ durch Otto Wiesheu und Jarin Luschkow, Moskauer Bürgermeister und hochgehandelter Präsidentschaftskandidat, sollte dieser erfolgreiche Weg weiter beschritten werden. Doch nicht jeder teilt den Optimismus der beiden Politiker. So sammelten sich parallel zu den Wirtschaftstagen rund eine Viertelmillion Menschen vor dem roten Platz, um gegen die momentane wirtschaftliche Lage zu protestieren und den Kopf von Boris Jelzin zu fordern. Ein breites Bündnis aus Kommunisten und Monarchisten, dazu Nationalisten, Gewerkschaftler und unzufriedener Demokratenvereinigt die Forderung nach bezahlbaren Nahrungsmittelpreisen. Notleidende sind besonders Rentner, die ihr Dasein mit einem Betrag von umgerechnet kaum 100 Mark im Monat fristen müssen. Aber mehr und mehr Menschen, die bisher nicht zu den Unterprivilegierten gehörten, sind vom nächsten Winter in ihrer Existenz bedroht. Besonders die schlechte Kartoffelernte dürfte zu enormen Nahrungsengpässen führen. Gleichzeitig verwandelt sich die Moskauer Innenstadt immer mehr in einen großen Marmorpalast. Die Geschäfte im GUM oder ein vier Stockwerke tief in die Erde gebohrtes Kaufhaus kurz vor dem Kreml sind zwar reichlich gefüllt. Jedoch nur Ausländer oder die sogenannten „Neuen Russen“ können die Preise auch bezahlen. Bei den Rentnern, Fabrikarbeitern und Armeeangehörigen, die oft schon seit Monaten keinen Lohn mehr erhalten haben, stößt dieser Zustand zunehmend auf Unverständnis. Gleichzeitig ist den meisten Demonstranten jedoch auch unklar, wie es in Zukunft weitergehen soll – ein neuer Zar, die Rückkehr der Kommunismus, den Wodka-Nationalismus Schirinowskis oder eine weitere Anlehnung an den Westen? Wichtig ist für die Russen jetzt erst mal, dass für die nächste Zeit die Versorgung mit Wohnung, Wärme und Grundnahrungsmitteln sichergestellt ist. Enttäuschte Gesichter gab es auch bei den mitreisenden Gebirgsschützen. Durften sie bei der Ausstellungseröffnung noch dem Wirtschaftsminister Spalier stehen, war bei der Enthüllung der Strauß-Büste nur noch eine Ersatz-Garde an Politikern anwesend. Otto Wiesheu musste zu einer Vereidigung nach München reisen und ließ sich vom Denkendorfer Gemeinderat Alois Braun vertreten, und statt Jarin Luschkow erschien auf russischer Seite der Bezirksbürgermeister Anatoli Botscharow. Franz Josef Strauß hatte seinerzeit die Schirmherrschaft über die Partnerschaft zwischen Denkendorf und dem Moskauer Stadtteil übernommen. Dennoch gab es um die Aufstellung ein kräftiges Tauziehen. Während in Russland die Meinung vorherrschte, man habe selbst genug Politiker, um sie an die Wand des Verwaltungsgebäudes zu stellen, wäre den Gebirgsschützen eine Fünf-Meter-Statue auf dem Roten Platz lieber gewesen. Nachdem die Moskauer demnächst über eine Verlegung der Lenin-Gruft abstimmen, wäre der entsprechende Platz ja eigentlich vorhanden. Doch auch so gab es für die Gebirgsschützen ein Happy-End. Gleich nach der Rückkehr des Wirtschaftsministers durften sie selbigen als neuen Schützenkameraden in ihren Reihen begrüßen. Ein kleiner Blick in den Weltraum Ein Höhepunkt der Moskau-Reise war ein Besuch im Raumfahrtskontrollzentrum Mir. In dem im Außenbezirk von Moskau gelegenen Gebäude werden sämtliche Funktionen der russischen All-Behausung kontrolliert. Wsewolod Latischen, stellvertretender technischer Leiter des Mir-Zentrums, ließ es sich nicht nehmen, die Gäste aus Bayern persönlich zu begrüßen und alle Fragen geduldig zu beantworten. Was zu Zeiten des kalten Krieges völlig unvorstellbar war: Die Besucher durften sogar den eigentlichen Kommandoraum betreten und von einer Empore aus den Wissenschaftlern bei der Arbeit, auch bei der Kommunikation mit den Raumfahrern, über die Schuler schauen.
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